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Zinsfreie Geldwirtschaft


Zinsen spielen in unserer Wirtschaft eine entscheidende Rolle. In jeder Preiskalkulation finden sich gezahlte, noch zu zahlende oder entgangene Zinsen. Sie gehen in die Preise ein und sind vom Verbraucher zu zahlen. Ein anschauliches und beeindruckendes Beispiel hierfür ist die Berechnung einer kostendeckenden Wohnungsmiete. Hier sind die Zinsen der mit Abstand größte Anteil, egal ob der Vermieter verschuldet ist oder nicht. Der Wertverfall spielt kaum eine Rolle. Die Spekulation treibt Mieten und Preise zusätzlich.


Der griechische Philosoph Aristoteles kritisierte den Zins, weil sich so das Geld aus sich selbst heraus vermehre. Dies sei gegen die Natur. Waren verderben oder veralten. Geld verdirbt nicht, kann also ohne Risiko gehortet werden. Gehortetes Geld kann Fluktuationen am Markt abwarten. Es können auch Marktfluktuationen erzeugt und künstlich Preise in die Höhe getrieben werden. Dies wird als Spekulation bezeichnet. Neben dem Geld können auch der Boden, Nahrungsmittel, Immobilien oder andere Ressourcen in spekulativer Absicht durch Geld oder Schulden dem Markt entzogen, also verknappt und gehortet werden. Die Preise werden auch hier künstlich überhöht. Der Zins zwingt die Wirtschaft auch zum (unbegrenzten) Wachstum, weil Zins und Zinseszins zusätzlich erwirtschaftet werden müssen. Geldbesitz führt so zu immer mehr Reichtum, während Schulden immer größeres Elend verursachen. Die permanent wachsende Ungleichverteilung von Einkommen und Vermögen hat überwiegend hier seine Ursache.


Im Jahr 1932 plagten hohe Arbeitslosigkeit und dramatische Verschuldung die österreichische Gemeinde Wörgl. In dieser Situation führte der Gemeinderat Arbeitswertscheine ein. Diese waren durch Wechsel und Schillinge gedeckt. Derjenige, der dieses neue Geld über längere Zeit ansammelte, bezog keine Zinsen. Am Ende jedes Monats war eine Benutzungsgebühr zu entrichten. Ein Negativzins, wenn man so will, der den bestrafte, der Geld hortete. Der Anreiz, das Geld möglichst schnell wieder auszugeben, führte zu raschem Geldumlauf. Hohe Investitionen bewirkten, dass die Arbeitslosigkeit um ein Viertel sank, während sie andernorts weiter anstieg. Die Nachbargemeinde Kirchbichl wollte dem Beispiel folgen. Die Notenbank wurde jedoch unruhig und beendete vor dem österreichischen Verwaltungsgerichtshof den Versuch, auf den Zins zu verzichten.


Auch unter den gegenwärtigen Bedingungen wird über selbst entwertendes Geld diskutiert. Hier geht es meist um die Abwehr deflatorischer Preisentwicklungen. Das Geld soll ausgegeben und nicht gehortet werden. Solange Bargeld und spekulative Wertsachen in Umlauf sind sowie mit Ressourcen spekuliert wird, müssen auch hierfür Lösungen gegen Anhäufung von Vermögen gefunden werden.


Marx sah im Zins, der Bestandteil des Mehrwerts sei, ein Instrument der Ausbeutung, wodurch dem Arbeiter ein Teil seines Arbeitsertrages vorenthalten wird. Bei den Nationalsozialisten war die Forderung, die "Zinsknechtschaft des Geldes" zu brechen, fester Bestandteil des Parteiprogramms. In der islamischen Gesellschaft gilt der Zins auch heute noch als Fremdkörper.


Für die Klassiker, wie Adam Smith, ist der Zins ein Teil des Profits, den der Schuldner mithilfe von Produktionsmitteln erworben hatte. Diese waren durch Kredite finanziert worden, woran der Verleiher zu beteiligen war. Die Neoklassiker wollen den Entleiher belohnen, der auf seinen gegenwärtigen Konsum zugunsten des Schuldners verzichtet. Nach John Maynard Keynes ist Zins die Belohnung für die Aufgabe von Liquidität über einen bestimmten Zeitraum. Der Vorteil des Geldbesitzes wird von Keynes Liquiditätsprämie des Geldes genannt.


Durch die Tatsache, dass Geld beim Behalten praktisch keine Nachteile (Durchhaltekosten) verursacht, können dem Wirtschaftskreislauf Geld und geldwerte Güter in spekulativer Absicht entzogen werden. Warum es über ein realistisch berechnetes Risiko hinaus Zinsen und Zinseszinsen gibt, hat die Ökonomie letztlich bis heute nicht befriedigend und abschließend beantwortet. Dies ist vor allem eine moralische Frage, die dem Ökonom fremd ist.


Zwischenzeitlich konnten in Japan, den USA und Europa Erfahrungen mit einer Nullzinspolitik gesammelt werden. Hier war es die Antwort auf eine Wachstumskrise. Die Krise konnte hiermit bisher nicht beseitigt werden. Die EZB versuchte zusätzlich mit einem Negativzins die Geldhortung zu bekämpfen. Alles umsonst: System gefährdende Deflation und sinkende Wachstumsraten konnten nicht gestoppt werden, weil die Geldmenge und der Schuldenstand, ja das gesamte globale Geldsystem außer Kontrolle sind.


Der Zins und Zinseszins wird häufig als große Geißel der Menschheit bezeichnet. Er soll zum Wachstum und zur Verschuldung zwingen. Er kann, wie der Gemeinderat von Wörgl gezeigt hat, einfach beseitigt werden. Zinsen halten vor allem den Geldkreislauf in Gang und steuern ihn insoweit. Dies kann aber auch durch Negativzinsen oder Steuern erreicht werden, wenn der Besitz von Bargeld oder geldwerten Gütern beschränkt ist. Auch für die Kriminalitätsbekämpfung ist die Beschränkung auf eine kleine Bargeldstückelung in Münzform günstig.


Nach Schuldenschnitt und Währungsreform sollte nicht der Zins, sondern Geldvermögen in Form frei verfügbarer Kontoguthaben sowie überschüssigen Vermögenswerten besteuert werden. Überschüssig wären Vermögenswerte, wenn ihr aktueller Geldwert den Einstandswert übersteigt also Veräußerungsgewinne zu erwarten oder entstanden sind. Diese wären abzuschöpfen. Damit würde zur Steuervermeidung für freie Finanzmittel eine zinsfreie Überlassung für risikolose Investitionen oder langfristige öffentliche Zwecke die Regel. Kreditvergaben können somit bei staatlichen Garantien überwiegend zinslos erfolgen. Dies wäre dann weitgehend eine öffentliche Aufgabe, die demokratisch kontrolliert werden kann.


Damit könnte vor allem in der Übergangszeit eine deutliche Verlagerung der Steuerlast von produktiver Arbeit auf unproduktive Geldvermögen erreicht werden. Durch vermehrten Einsatz von öffentlichem Risikokapital würden die Produktivitätsschwelle für Investitionen und die Preise stark gesenkt. Die weitgehende Freihaltung des Produktionsprozesses von Zinsen, Steuern und Abgaben erhöht die Rentabilität des Faktors Arbeit sowie die Produktivität der Gesamtwirtschaft und senkt insgesamt die Preise. Die Spekulanten auf den internationalen Finanzmärkten könnten keine rentierlichen Finanzvermögen mehr ansammeln, wodurch der Spekulation der Nährboden entzogen wäre. Kreditfinanzierte Spekulation ist nicht möglich, wenn nur öffentliche oder produktive Geldanlagen steuerlich begünstigt wären. Vor allem die Banken verdienen an den Zinsen, aber auch an der Spekulation.


Langfristig würde durch vorstehende Reformen eine völlig neue Ausrichtung der wirtschaftlichen Aktivitäten einsetzen. Die zins- und steuerinduzierten Kosten in den Preisen gingen deutlich zurück. Angesichts der Preisstabilität und des fehlenden Zwangs zur Kapitalverzinsung ist auch bei sinkendem Bevölkerungswachstum eine bedarfsdeckende Gleichgewichtswirtschaft möglich. Der gerechte Zins entspräche im wesentlichen nur noch dem Risiko und könnte wegfallen, wenn der Staat Kreditnehmer wäre oder die Rückzahlung garantieren würde. Die Staatsfinanzierung wäre somit zinslos möglich, solange eine reale Deckung durch werthaltige Güter bestünde.


GESAMTKONZEPT ZUR GLOBALEN NEUORIENTIERUNG ZUM KOSTENLOSEN HERUNTERLADEN. Ein praktikabler Weg aus der Misere. Die Frage ist, ob die Menschen diesen Weg gehen wollen. Ich glaube, dass die Vernunft der Menschen dies eines Tages schafft. www.Weltgemeinschaft.net



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