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Gerechte Einkommensverteilung


2015 führt das kommunistische China die Hurun-Reichenliste mit mehr als 596 Dollarmilliardären an. Das sind zum Vorjahr eine Steigerung um mehr als 100%, damit weltweit der größte Anstieg überhaupt. Karl Marx wird sich vermutlich im Grabe umdrehen. Die USA, die auf 537 Milliardäre kommt, landet auf Platz zwei. Die kommunistisch regierte Volksrepublik ist somit das Reich der Superreichen.


Die Verteilung der Höhe der Einkommen und der Vermögen ist ungerecht und tendenziell anzugleichen, sonst bleibt die Freiheit und die Selbstbestimmung gefährdet. Wenn einige zu viel haben, kann sich eine Gemeinschaft nicht entwickeln. Menschen mit unbegrenzt hohem Einkommen und unbegrenztem Vermögen erlangen Macht über andere Menschen. Sie gefährden damit deren Freiheit und Würde sowie die Demokratie. Zinsfreiheit und Abschöpfung von Erbschaften sind systemische Antworten auf die bisherige, ungleiche Verteilung.


Einkommen und Vermögen sollten darüber hinaus durch demokratisch festgelegte Bandbreiten nach oben und unten global begrenzt sein. Hierbei sind auch Gewinnausschüttungen und ungleich verteilte, leistungslose Einkommen mit einzubeziehen. Die Menschen empfinden den Abstand vom einfachen Angestellten zu den Managergehältern durchschnittlich mit dem zehnfachen gerade noch als gerecht. Tatsächlich finden sich in der Realität Abstände, die häufig im Bereich des Hundertfachen und vereinzelt noch deutlich höher liegen.


Neben der gerechten Verteilung des Einkommens und der Vermögen müssen Eigentum und Besitz auch beschränkt werden, um Demokratie gefährdende Dynastien zu verhindern. Ganze Wirtschaftszweige beherrschende private Konzerne müssen unterbunden sowie die Orientierung am Gemeinwohl sichergestellt werden. Die Erträge aus den vergesellschafteten Unternehmen bilden dann an Stelle von Steuern die zukünftige Basis der Staatsfinanzierung.


Private Unternehmen und Konzerne können die Demokratie ebenso gefährden, wie private Großvermögen und Familiendynastien. Sie beteiligen sich oft nicht an der Finanzierung des Staates, indem durch Steueroasen mögliche Steuervermeidungsstrategien bis an die Grenze der Legalität und darüber hinaus genutzt werden. Sie sind in der Lage, notwendiges Spezialwissen einzukaufen und nationale wie internationale Politik zu beeinflussen. Statt sich an den Kosten für das Gemeinwesen zu beteiligen, versuchen große Konzerne die Politik durch Parteispenden und Lobbyismus zu beeinflussen. Mit ihren Spenden bestimmen die reichsten Konzerne der USA die Politik. Google hat kürzlich erstmals Goldmann Sachs auf diesem Sektor überholt.


Die Wirtschaft erkennt aber zunehmend auch schädliche Auswirkungen. Die wachsende Ungleichheit dämpft vermutlich bereits das Wirtschaftswachstum. In den USA sind die Einkommensunterschiede seit den achtziger Jahren dramatisch gewachsen. Das ist in dem bestehendem System deshalb ein Problem, weil die fehlende Nachfrage die Konjunktur beeinträchtigt.


Wenn der Boden und die Bodenschätze Gemeingut der Menschheit sind, können sie auch nicht vererbt oder verschenkt werden. Erbschaften und Schenkungen sind darüber hinaus ungerechte, leistungslose Erträge. Sie sollten demokratisch auf eine absolute Höhe begrenzt werden. Unternehmen oder Unternehmensanteile müssen bewertet werden. Soweit der Höchstbetrag überschritten wird, werden die übersteigenden Vermögenswerte als Gemeingut öffentlich verwaltet. Übersteigende Beträge können auch in Form von Unternehmensanteilen eingezogen werden. Damit wird längerfristig auch die Bildung multinationaler, marktbeherrschender Konzerne in privater Hand verhindert.


Die Höhe des Einkommens wird als Gradmesser für Glück und Zufriedenheit überschätzt. Eigentlich erscheint es einleuchtend: Je mehr wir verdienen, desto glücklicher und zufriedener müssten wir sein. Denn dann könnten wir uns all die Dinge leisten, die wir uns wünschen: gutes Essen, teure Kleider und Wohnungen sowie luxuriöse Urlaubsreisen. Tatsächlich bringt mehr Geld bei den Reichen nur noch geringe Zuwächse an Zufriedenheit und irgendwann macht das Geld gar keinen Unterschied mehr. Die Nobelpreisträger Daniel Kahneman und Angus Deaton haben untersucht, welchen Einfluss das Einkommen auf die Zufriedenheit eines Menschen hat. Sie kamen zu dem Schluss, dass das subjektive Glücksgefühl ab einem Verdienst von 75.000 Dollar im Jahr nicht mehr ansteigt.


Wenn wir überall um uns herum Wohlstand und Chancen sehen, wollen wir mithalten. Die dadurch entstehende Schere zwischen Erwartungen und tatsächlichem Einkommen nagt dann an der Zufriedenheit. Das lehrt dann wohl zweierlei: Neid frisst Glück und wer reich ist, ist noch lange nicht glücklicher, sondern höchstens mächtiger.


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